Ohne Du kein Ich

Photo: Elina Krima

… oder: „Warum ich nicht ins Bang Bang will“

Mein Roman „Wofür wir uns schämen“ zeichnet unter dem Vergrößerungsglas eine Persönlichkeitsentwicklung. Wie fühlt sich Depression an und wie komme ich da heraus?

Auch Männer suchen sich diese Rolle nicht aus. Die Hauptfigur Gregor befindet sich an einem Ort, an dem er, wie es im ersten Satz heißt, „sein halbes Leben lang lächelt“. Er lächelt nicht, weil die Welt für ihn so nett und lustig wäre, sondern er setzt vor den Mitmenschen ein freundliches Gesicht auf. Plötzlich wird der in seiner Rolle eingekapselte Gregor „in die Außenwelt“ eingeladen, an einen Ort des Körperlichen, in einen Swinger-Club. Der Stein kommt ins Rollen, als er entdeckt, dass die Frau, die ihn einlädt, eine alte Bekannte ist …

„Und was Tomas Blum mit dieser Erzählweise gelingt, ist im Grunde das, worum es die ganze Zeit geht: Wieder ein Gespür dafür zu bekommen, was Lebendigsein wirklich ist.“

Leipziger Internet Zeitung

Wir sind alle frei und lassen uns von nichts beschämen? Dieser gigantische Irrtum unserer Zeit wird genährt durch ausgeklügeltes Marketing, das viele Gesichter trägt. Ein Rollenangebot ist immer auch Freiheitsberaubung. Auch in einer „freien“ Gesellschaft kann man sich deshalb des Eindruckes nicht erwehren, man sei unter die Räuber gefallen.

Gregor macht eine unerhörte Entdeckung: Nicht nur er selbst ist verletzlich. Auch die Anderen sind es. Das Kennenlernen mit Marie entlarvt eine tiefe Sehnsucht: Die Beiden wollen keine Rolle(n) mehr spielen. Sie suchen das Exotische. Was sie suchen, ist nämlich das, was Martin Buber im Titel seines Werkes herauskondensiert als: „Ich und Du“.

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SCHAM UND ERZÄHLEN
DIE UNERKANNTE DEPRESSION
SCHAM UND ROLLENKÄFIG

Panel 1

Die Schokolade der Erinnerung

Wie kann ich in einer beziehungslosen Zeit eine ehrliche Verbindung riskieren? Wie verlasse ich die ausgetretenen Pfade?

„‚Wofür wir uns schämen‘ ist ein psychologisch raffinierter Roman, der sich auch als Generationenportrait lesen lässt. Er zeichnet das lebendige Bild einer Generation, die (…) mit dem Sinn des eigenen Handelns ringt. (…) Diese Rastlosigkeit setzt der Roman auf beeindruckende Weise in Szene.“

Tino Dallmann, MDR Kultur

Gregor und Marie haben keine Lust mehr auf Inszenierungen. Wie können sie in Beziehung treten, ohne sich zu verstellen? Was hält sie bloß davon ab, zu lieben? So tritt hinter der Suche nach der Liebesbeziehung eine viel größere Sehnsucht hervor. Es ist die Suche nach dem Glück.

Du hast noch deinen Mut, den du mühsam erarbeitet hast, und du hast die Erinnerung. Ja, du vermisst sie. So wie man die Kindheit vermisst beim Biss in eine bestimmte Sorte Schokolade. Die Schokolade hat es bis ins Heute geschafft, weil ein Unternehmer die Marke fortgeführt und die Rezeptur belassen hat. Was ist mit den Menschen von damals? Will man sie im Internet finden?

Tomas Blum – „Wofür wir uns schämen“

Das düstere Ereignis in der Jugendzeit liegt so weit zurück, als würde es nicht mehr zu euch gehören – so als hätte es nicht euer Leben bis auf den heutigen Tag geprägt. Zufällig trefft ihr einander Jahrzehnte später im Geschäftsleben wieder, inzwischen als Kollegin und Kollege, und das Kennenlernen gerät zum Gespräch mit der Erinnerung.

Panel 2

Die Worte sind teuer

Wer sind wir denn schon? Wir Jüngeren? Wir „Modernen“? Die wir eine globale Krise noch als lästig empfinden? Uns gestört fühlen durch die Eingriffe ins Tagesgeschäft? Die wir Empörung für eine Strategie halten und in unserer nervösen Verfasstheit das Notwendige nicht mehr von Befindlichkeiten unterscheiden wollen? Die wir immer alles richtig machen wollen und für jedes Verfehlen die Reflexe der Entrüstung bereithalten? Die wir hochmütig ein Europa bekritteln, das noch vor einem halben Menschleben schon hinter der Mauer unserer Kinderspielplätze endete? Wo sind wir eigentlich?

Wir sind hier. Mit einem blauen Auge zwar, doch sind wir hier. (…)

Panel 3

Tomas Blum

Ich beschäftige mich literarisch mit der Frage, wie wir richtig handeln können, obwohl die Sicht auf unsere Handlungsräume nicht so klar ist. In meinen Romanen und Stücken bewähren sich die Hauptfiguren durch ihr Vertrauen, obwohl ihre Umgebung nicht vertrauenswürdig ist: Sie lernen zu lieben. Wo liegen die Grenzen unserer Einfühlung? Worauf können wir uns verlassen, wenn die Worte vertuschen und vortäuschen.

Lisa-Maria Damm in „Eine europäische Dame“ (2018)

Schreiben gehört für mich zu den lebenswichtigen Beschäftigungen. Weniges nimmt für mich einen so hohen Stellenwert ein. Ich gebe gern zu, dass ich tatkräftige Unterstützung bekomme. Die Behauptung, meine besten Ideen stammen in Wahrheit von Autorenhündin Yella, werde ich an dieser Stelle weder bestätigen noch dementieren. Doch die bald fünfjährige Hündin ist ohne Zweifel eine Quelle der Inspiration, und sie nimmt mich jeden Tag mit in die Wälder und über die Felder, um mich in der Natur zu erden.

Yella vor dem Sturm. Wir haben es gerade noch trockenen Fußes nach Hause geschafft.

Hauptberuflich war ich 20 Jahre lang als Autor und Ghostwriter in Wirtschaft und Politik tätig. Ein Jahr lang lebte ich in Nordirland (und leide seither unter Heimweh). Durch einen Unfall besann ich mich wieder auf das literarische Schreiben. Das Stück „Der Kuss“ wurde auf der Studiobühne der Reduta Berlin uraufgeführt. 2018 folgte dort die szenische Lesung „Eine europäische Dame“ mit Matteo Forni und Lisa-Maria Damm.

Unter Leitung von Burkhard Spinnen und Katja Lange-Müller war ich Teilnehmer an der Autorenwerkstatt Prosa im Literarischen Colloquium Berlin. Der Saarländische Rundfunk produzierte mein Hörspiel „Kriechströme“ mit Werner Wölbern in der Hauptrolle.

Panel 4

Impressum

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Kontakt: Tomas Blum c/o Papyrus Autoren-Club, R.O.M. Logicware GmbH Pettenkoferstr. 16-18 10247 Berlin.

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DER KUSS: Foto-Credits für die einzelnen KünstlerInnen. Die FotografInnen sind: Nadja Schimonsky: Hannes Caspar – Mareike Bensel: Lucas Adrian – Fabrice Riese: Joachim Gern – Daria Bak: Hans-Jürgen Hannemann – Maximilian Wrede: himself – Jennifer Demmel: Joachim Gern – Benjamin Ahlmeyer: Jan Meyer – Jens Bache: Gerlind Klemens – Tamara Losert: Hannes Caspar – Andreas Klinger: himself – Astrid Köhler: Urban Ruths – Tomas Blum: Krystian Kolbe

Fotos (außer „Der Kuss“): Tomas Blum

Konzeption & Texte: Tomas Blum